André Büschkes, Vizepräsident
des Zentralverbands des Deutschen
Dachdeckerhandwerks
(ZVDH).
Bild: ZVDH
Im Gespräch

„Jede Gefahr für Leib und Leben muss vermieden werden“

André Büschkes, Vizepräsident des Zentralverbands des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH), wirbt dafür, Sicherheit bei der Arbeit ernst zu nehmen. Dabei können Maßnahmen wie die Vorfertigung von Dachkonstruktionen am Boden helfen.

Im Interview erläutert er zudem, welche weiteren Maßnahmen die Sicherheit am Bau erhöhen können:

Herr Büschkes, warum ist es besser, Dachteile vorab am Boden zu fertigen?

Die Vorfertigung ist vor allem eine Arbeitserleichterung; denn die Produktions-, Montage- und Arbeitsbedingungen sind in der trockenen Halle wesentlich besser. Aber auch das Thema Sicherheit ist sehr wichtig. Denn mit einer Montage am Boden reduziere ich Absturzunfälle. Die Unfallzahlen der BG BAU zeigen eindeutig, dass die Herstellung von Fertigteilen das Risiko von Unfällen senkt.


Welche Rolle können digitale Lösungen bei der Sicherheit spielen?

Eine sehr große Rolle: Durch den Einsatz von Drohnen kann man die Gegebenheiten auf dem Dach untersuchen, ohne ein Gerüst oder eine Leiter zu besteigen. Und der Einsatz von digitalen Tools wie beispielsweise die Web-App „DigitGB“ der BG BAU zur Gefährdungsbeurteilung, die mittlerweile für 16 Gewerke vorliegt, ist äußerst nützlich für die Arbeit auf Baustellen. Aber auch das Thema virtuelle Realität (VR) bietet große Chancen. Bereits in der Planungsphase eines Bauvorhabens – beispielsweise über eine VR-Brille – mögliche Risiken zu erkennen, Gefährdungen sinnvoll zu beurteilen und wirksame Maßnahmen festzulegen – das wird in Zukunft besser möglich sein.

André Büschkes, Vizepräsident
des Zentralverbands des Deutschen
Dachdeckerhandwerks
(ZVDH).
Bild: ZVDH

André Büschkes, Vizepräsident des Zentralverbands des Deutschen Dachdeckerhandwerks (ZVDH)

Dachdeckermeister André Büschkes ist seit 2008 alleiniger Geschäftsführer im elterlichen Dachdeckerbetrieb in Euskirchen. Sein Amt als ZVDH-Vizepräsident übt Büschkes seit 2005 aus und engagiert sich dabei besonders in den Bereichen Arbeitssicherheit und Öffentlichkeitsarbeit. Seit dieser Zeit ist er auch Vorsitzender der Aktion DACH, eine Gemeinschaftsaktion des Dachdeckerhandwerk, um Betriebe bei Marketingaktionen und der Nachwuchssuche zu unterstützen.


Jede Baustelle ist anders. Was bedeutet das für ein sicheres Arbeiten?

Das bedeutet, sich jeden Tag aufs Neue mit der aktuellen Situation vertraut zu machen, die Besonderheiten zu erkennen und entsprechend der Gefährdungsbeurteilung darauf zu reagieren. Aber oft liegt die Gefahr in der Routine – ein erheblicher Teil aller Unfälle ist verhaltensbedingt. Jeden Tag daran zu erinnern, wie wichtig die Sicherheitsmaßnahmen sind, und auch jede Mitarbeiterin und jeden Mitarbeiter dafür zu sensibilisieren, ist eine wichtige Chef-Aufgabe.


Und wie gelingt das?

Auf jeden Fall muss regelmäßig daran erinnert werden. Dabei hilft das Präventionsprogramm „BAU AUF SICHERHEIT. BAU AUF DICH.“ der BG BAU. Ein zentrales Element dort ist eine „Sicherheitspartnerschaft“, in der sich Arbeitgeber und Beschäftigte verpflichten, aufeinander zu achten und aufzupassen.

Wichtig ist außerdem, dass jede und jeder Einzelne „Stopp“ sagen kann, wenn sie oder er sich bei der Arbeit nicht sicher fühlt. Hilfreich sind auch Schulungen oder Vorträge, zum Beispiel über die Gefahren beim Arbeiten ohne Sonnenschutz. Es ist wichtig, dass jede und jeder im Betrieb für das Thema Sicherheit Verantwortung übernimmt, dafür muss man aber auch das Recht zugestehen, kritische Fragen zu stellen. Ich kann Betrieben nur raten, die Materialien und Informationen der BG BAU zu nutzen. Gerade in der Zeit der Pandemie hat mir vieles davon die Arbeit sehr erleichtert.

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Sie haben engen Kontakt zum Nachwuchs. Welche Themen sind der Jugend wichtig?

Die junge Generation hat ein sehr ausgeprägtes Sicherheitsbewusstsein. Generell hat die Familie in dieser Generation einen sehr hohen Stellenwert. Und damit einher geht auch ein großes Bedürfnis nach Sicherheit. Wir müssen daher zeigen, dass das Dachdeckerhandwerk sicher ist, dass wir Sicherheitsmaßnahmen einsetzen und daran arbeiten, diese ständig zu verbessern.

Weitere Informationen zu Themen wie Vormontage am Boden bietet die Messe „Dach+Holz“, die vom 5. bis 8. Juli 2022 in Köln stattfindet.

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