Im Gespräch

„Kein Zurück mehr hinter die aktuellen Standards“

Im Interview spricht Robert Feiger über die Herausforderungen in der Pandemie, positive Entwicklungen bei den Arbeitsschutzstandards und was es darüber hinaus braucht, um in Zukunft sicher und gesund arbeiten zu können.

Herr Feiger, das Reinigungsgewerbe war von der Coronapandemie besonders betroffen. Was waren die größten Herausforderungen?

Eine der größten Herausforderungen war die Frage, wie sich die Reinigerinnen und Reiniger vor einer Ansteckung in den Objekten schützen. Das gilt an erster Stelle für Alten- und Pflegeeinrichtungen, aber auch in allen anderen Bereichen, wo Kontakte nicht zu vermeiden sind. Ein ganz wesentlicher Punkt in dieser Branche war sicherlich die Angst um den eigenen Arbeitsplatz. Das galt insbesondere für die Kolleginnen und Kollegen auf den Flughäfen, die ja teilweise komplett geschlossen waren. Noch heute ist man lange nicht auf dem Beschäftigungsniveau, das es früher einmal gab.

 

...und für die Bauwirtschaft? Sie hat während der Coronapandemie kontinuierlich weitergearbeitet.

Zunächst mussten wir natürlich auf die oftmals vorherrschende Verunsicherung vieler Beschäftigter in den Betrieben, auf den Baustellen und in den Gebäuden reagieren. Trotz der Kontaktbeschränkungen haben wir es geschafft, unsere Mitglieder und insbesondere die Betriebsräte mit Informationen und Beratungen zu unterstützen. Dazu musste die telefonische wie auch digitale Erreichbarkeit weiter ausgebaut werden.

 

Welche Sorgen der Beschäftigten kamen bei Ihnen an?

Da wurden viele sorgenvolle Fragen gestellt: Wie kommt es zu Ansteckungen mit dem Virus? Wie kann ich mich im laufenden Betrieb vor Infektionen schützen? Wie verhalte ich mich korrekt gegenüber Kolleginnen, Kollegen und den Arbeitgebenden? Ist mein Arbeits- oder Ausbildungsplatz trotz der Pandemie noch sicher? Da herrschte auch die pure Existenzangst, insbesondere im Gebäudereiniger-Handwerk. Auch wenn Kurzarbeit angekündigt wurde, blieben viele Sorgen der Beschäftigten bestehen.

 

Wie hat die IG BAU darauf reagiert?

Wir haben unsere Mitglieder sowohl online als auch telefonisch beraten und dabei geholfen, Informationsmaterialien über den Umgang mit der Pandemie für die Beschäftigten zu erstellen. Hilfreich waren dabei auch die Materialien der BG BAU. Wir haben auf die erforderlichen Hygienemaßnahmen bei der Arbeit hingewiesen und unseren Mitgliedern dringend empfohlen, sich impfen zu lassen.

 

Welche Rolle wird das Thema Hygiene künftig spielen?

Sie wird weiterhin eine große Bedeutung im Berufs- wie im Privatleben haben. Es ist jederzeit damit zu rechnen, dass erneut eine Pandemie ausbricht. Auch müssen wir derzeit verstärkt auf die sich ausweitende Delta-Variante schauen. Darauf sind wir jetzt vorbereitet, es darf deshalb kein Zurück mehr hinter die aktuellen Standards auf den Baustellen, in den Verwaltungen und in den Objekten geben. Es muss selbstverständlich sein, dass Waschgelegenheiten und sanitäre Anlagen vorhanden und in einem guten Zustand sind. Hier erwarten wir ein konsequentes Handeln aller für den Arbeitsschutz Verantwortlichen, damit diese Standards durchgesetzt werden. Missstände dürfen wir nicht dulden!

 

Welche Lehren können wir alle aus der Pandemie ziehen?

Zunächst müssen wir begreifen: Die Einhaltung von Standards und die Beachtung besonderer Regeln in Ausnahmesituationen schützen das Leben aller. Ein Zusammenarbeiten aller Akteurinnen und Akteure – Beschäftigte wie Arbeitgebende – sichert Arbeitsplätze. Die BG BAU kann im Interesse aller dazu beitragen, dass die Arbeitsschutzstandards weiterentwickelt werden. Und wir müssen insbesondere aus den Folgen des Infektionsgeschehens in der Fleischindustrie lernen und verstärkt auf die Unterbringung von Beschäftigten auf Baustellen und bei Erntehelferinnen und Erntehelfern achten. Da haben wir eine hohe Verantwortung.

Robert Feiger, Bundesvorsitzender der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt
Bild: IG BAU - Alexander Paul Englert

Robert Feiger

Seit September 2013 ist der gelernte Industriekaufmann Robert Feiger Bundesvorsitzender der Industriegewerkschaft Bauen-Agrar-Umwelt (IG BAU). Zuvor war er Stellvertretender Bundesvorsitzender der IG BAU und sitzt seit 2007 im Bundesvorstand der IG BAU. Seine Weiterbildung zum Gewerkschaftssekretär machte er an der Sozialakademie Dortmund. Nebenbei führt er noch weitere Funktionen aus, zum Beispiel als Mitglied im Aufsichtsrat der BAUER AG, als Mitglied der Mindestlohnkasse und auch im Vorstand der Malerkassen.

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