Test eines kamerabasierten Personenerkennungssystems an einer Baumaschine.
Bild: Franz Welsch - PZ BAU
Arbeitswelt im Wandel

Maschinen mit eingebautem Schulterblick

Moderne Assistenzsysteme unterstützen Maschinenführende, damit sie nichts und niemanden auf der Baustelle übersehen. Bauunternehmen können Bestandsmaschinen nachrüsten. Die BG BAU fördert das mit ihren Arbeitsschutzprämien.

Auf Baustellen kann es wie in einem Taubenschlag zugehen. Maschinenführende müssen ständig auf der Hut sein, dass niemand unbemerkt ihren Arbeitsbereich kreuzt – und das in unübersichtlichem Gelände und bei verdeckter Sicht durch Anbauten. Störfaktoren wie Müdigkeit, Lärm oder auch Routine lassen die Aufmerksamkeit sinken. Widrige Außenbedingungen und Verschmutzung des Sichtfelds kommen hinzu. In solchen Situationen helfen Assistenzsysteme den Maschinisten, Personen und Objekte rechtzeitig zu erkennen. Dank stetig verbesserter Sensorik und ihrer Verknüpfung mit künstlicher Intelligenz (KI) schreitet die Entwicklung der technischen Helfer rasant voran.

Illustration eines Lautsprechers mit Briefen.
Bild: Julien Eichinger - stock.adobe.com

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Eine Kamera ist an einem Baufahrzeug angebracht und erkennt einen hockenden Bauarbeiter vor dem Fahrzeug.
Verschiedene Sensoren und Kameras mit angeschlossenen Analysefähigkeiten können Objekte erkennen und unterscheiden.
Bild: Meyle+Müller GmbH+Co. KG / (c) BG BAU

Typen von Personenerkennung

Folgende technische Konzepte zur Personen- und Objekterkennung sind bereits im Einsatz:

  • ... sind nicht spezifisch darauf ausgelegt, Personen zu erkennen. Sie sollen an erster Stelle das Sichtfeld der Maschinenführenden visuell erweitern. Heute sind sie weithin etabliert und Hersteller bieten eine große Palette von Nachrüstsets an. Damit sich das lohnt, empfiehlt es sich, vor der Beschaffung zu prüfen, ob Maschine und Nachrüstset kompatibel sind. Die Kameras mit Monitor gibt es in vielen Varianten: für Anbaugeräte, mit verschiedenen Rundumsicht-Funktionen, etwa digitalen „Außenspiegeln“, die auch den toten Winkel erfassen, oder als Multikamerasysteme, die aus den Kamerabildern eine dreidimensionale Ansicht der Fahrzeugumgebung erzeugen.

  • ... verknüpfen die Objekterfassung per Sensoroder Kamera mit KI-Anwendungen. Die Software wertet die Signale im Umfeld der Maschine in Echtzeit aus, registriert und unterscheidet Objekte von Personen, berechnet Abstände und entscheidet, ob eine Gefahrensituation vorliegt. Kommt sie zu diesem Ergebnis, kann sie warnen oder in die Steuerelektronik eingreifen, um die Maschine zu stoppen oder ausweichen zu lassen. Die Prüf- und Zertifizierungsstelle Bauwesen der DGUV hat einige der Systeme erfolgreich auf ihre Baustellentauglichkeit getestet.

Zukünftiges Entwicklungspotenzial

Die folgenden Technologien werden bereits in anderen Bereichen angewendet, etwa bei der Entwicklung des autonomen Fahrens. Ihr Einsatz ist zukünftig auch in Baumaschinen denkbar.

Sensorbasierte Warn- und Assistenzsysteme …

... unterstützen die Personen- und Objekterkennung beim Arbeiten in schwer oder nicht einsehbaren Bereichen. Dafür werden verschiedene Sensortechniken eingesetzt. Ultraschallsensoren erkennen Objekte sehr präzise, können den Abstand ermitteln und bei akuter Kollisionsgefahr eine Notbremsung auslösen. Bei hohen Geschwindigkeiten und widrigen Verhältnissen gelten Radarsensoren als zuverlässiger. Sie erkennen bei sich ändernden Abständen, wann es brenzlig wird, und warnen bei Gefahr mit akustischen und visuellen Signalen. Systeme mit 4-D-Radar erreichen eine zehnfach höhere Auflösung und registrieren Abstände räumlich exakt. Noch genauer arbeiten LiDAR-Systeme mit Lasertechnik – unabhängig von den Lichtverhältnissen, selbst bei völliger Dunkelheit. Sie gelten als Schlüsseltechnologie und werden immer leistungsfähiger, sind aber teuer.

Kombinierte Assistenzsysteme … 

... vereinen die Stärken der genannten Systeme und gleichen Schwachpunkte aus. 3-D-Kamerasensoren können Objekte räumlich erfassen und auf Bildschirmen darstellen oder diese Objekte softwaregestützt analysieren und unterscheiden. Sie erzeugen ein dreidimensionales Bild für die Menschen hinter dem Steuer.

Die Aufsichtsperson Denny Hillert zeigt anhand einer Melone wie gut ein Schutzhelm den Kopf schützt. Sein Oberkörper ist auf ein Smartphone montiert.
Bild: Jan-Peter Schulz, Roman Samokhin - stock.adobe.com

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Stärken und Grenzen

Kein System bietet hundertprozentige Sicherheit. Kamerabasierte Lösungen können bei starker Verschmutzung oder Gegenlicht versagen. Kein Sensortyp ist vor Fehldetektionen sicher. Kombinierte Systeme erhöhen die Zuverlässigkeit, steigern aber Kosten und Komplexität. 

Bei der Beschaffung von neuen Maschinen sollten Unternehmen darauf achten, welche Erkennungssysteme sich am besten für die geplanten Einsatzzwecke eignen. Bestandsmaschinen lassen sich in vielen Fällen nachrüsten – eine sinnvolle Investition.

Trotz der sich stetig weiterentwickelnden Technik gilt: Direkte Sicht hat Priorität! Hilfsmittel und Assistenten können sie nicht ersetzen. Maschinenführende müssen sich immer davon überzeugen, dass sich niemand im Gefahrenbereich der Baumaschine aufhält. Stattdessen ist es immer wieder wichtig, Verschmutzungen, die die Sicht trüben, zu entfernen und Seiten- und Rückspiegel optimal zur Sitzposition einzustellen. Manche Systeme können Daten sammeln und speichern. Dabei sind die Herstellervorgaben zum Datenschutz zu beachten.

Innenaufnahme einer Baggerkabine, die in einer Messehalle aufgestellt ist. Neben dem Lenkrad sind zwei Monitore zu sehen, die das Umfeld über eine Kamera zeigen.
Bagger-Führerstand mit Monitoren eines Personenerkennungssystems
Bild: Bernd Lammel - bundesfoto

Die BG BAU unterstützt ihre Mitgliedsunternehmen bei der Nachrüstung von verschiedenen Assistenzsystemen für Baumaschinen:

9. März 2026

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