Bild: Dirk Dehmel
Sicher arbeiten

"Anforderungen an Azubis werden unterschätzt"

Drei Fragen an Jens-Uwe Lutz, Inhaber des ausbildenden Malerbetriebs Lutz in Berlin und Mitglied im Vorstand der BG BAU

Was gab den Anstoß dazu, diese Umfrage unter Auszubildenden im Maler- und Lackiererhandwerk zu initiieren?

Im Maler- und Lackiererhandwerk stehen wir – wie generell im Bauhandwerk – derzeit vor großen Herausforderungen: Die Abbrecherquote bei Beginn der Ausbildung im Handwerk ist sehr hoch. Gleichzeitig gibt es relativ viele Arbeitsunfälle unter den neuen Auszubildenden. Wir wollten objektiv erfassen, wo die Ursachen liegen und vor allem wie die Auszubildenden selbst ihre persönliche Situation einschätzen.

Wie interpretieren Sie die Ergebnisse?

Ein Großteil der befragten Jugendlichen steht unter starken, unter anderem körperlichen, Belastungen in der Ausbildung zum Maler und Lackierer. Das hat verschiedene Ursachen, wie beispielsweise anstrengende und ungewohnte Tätigkeiten oder weite Anfahrtswege. Von allen Seiten werden die Anforderungen an Azubis erheblich unterschätzt, aber auch die Herausforderungen, denen sie sich gegenübersehen. Viele Belastungen, die die Auszubildenden erleben, werden von den Chefs nicht wahrgenommen. Wir sollten hier alle sensibel sein und etwas dagegen tun. Generell sollten wir unseren Fokus mehr auf die Azubis ausrichten und schauen, wie wir ihnen besser helfen können. Ich unterstütze beispielsweise in meinem Unternehmen die Beschäftigten zum einen durch spezielle Betreuung wie Coaching und zum anderen finanziell – konkret mit einer Sportprämie –, um sie zu mehr Bewegung und Sport als Ausgleich zu animieren. Wir müssen Mitarbeitern und Azubis dabei helfen, selbst besser mit den Anforderungen umgehen zu können – denn oft fehlen auch einfach die körperlichen Voraussetzungen für einen Handwerksjob.

Was muss nun getan werden?

Durch Überforderung steigt das Risiko für Arbeitsunfälle. Zugleich leiden die Produktivität und die Arbeits- und Lernbereitschaft. Das kann nicht im Interesse der Unternehmen sein. Die Ergebnisse der Befragung zeigen Richtungen auf, wo wir Unternehmen handeln können. Wir müssen mit passgenauen Angeboten dabei unterstützen, die erlebten Belastungen zu verringern. Wir erhöhen damit zugleich auch die Attraktivität unserer Gewerke: Denn Eltern überlegen sich sehr wohl, wo sie ihre Kinder eine Ausbildung machen lassen. Wenn das Gesundheits- und Unfallrisiko zu hoch ist, fehlt uns schlicht der Nachwuchs und damit der – zukünftige – Mitarbeiter im Unternehmen

Zu den Ergebnissen einer Umfrage zur körperlichen Belastung von Auszubildenden im Maler- und Lackiererberuf.

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