Porträt Oliver Polanz, SPIE
Bild: SPIE Deutschland & Zentraleuropa
Im Gespräch

„Handlungsfähigkeit sicherstellen – Vertrauen schaffen!“

Mit klarer Verantwortung und guter Kommunikation kann professionelles Krisenmanagement gelingen – auch im Kontext der Coronavirus-Pandemie, sagt Dr. Oliver Polanz, Leiter des „COVID-19“-Krisenstabs bei SPIE Deutschland & Zentraleuropa.

Wie haben Sie bei SPIE auf die Corona-Krise reagiert?

Wir haben bereits Ende Februar einen Krisenstab im Unternehmen etabliert. Dieser bindet alle relevanten Stakeholder ein und hat die Rolle als zentrales Entscheidungsgremium während der Pandemie. Wir tagen täglich und sind jederzeit handlungs- und entscheidungsfähig. Wir waren gut vorbereitet. Bereits während der Zeit der Vogel- und Schweinegrippe haben wir Pandemiepläne erarbeitet und sie kontinuierlich angepasst. Jetzt konnten wir zahlreiche Präventivmaßnahmen und Templates sprichwörtlich aus der Schublade ziehen.

 

Ist nicht jede Krise anders und jeder Plan damit hinfällig?

Krisen sind natürlich nie gleich – dennoch folgen sie ähnlichen Mechanismen. Deshalb legen wir einen Prozess zugrunde, der uns höchstmögliche Flexibilität und maximale Handlungssicherheit gestattet. Für jedes Fachgebiet gibt es im Krisenstab eine verantwortliche Person. Der Krisenstab kommuniziert unmittelbar und zielgruppenspezifisch über getroffene Entscheidungen und umgesetzte Maßnahmen. Im Fall der COVID-19-Pandemie informieren wir sehr umfangreich. Unter anderem haben wir spezifische Informationen mit Handlungshilfen, Ansprechpartnern, häufig gestellten Fragen bereitgestellt.

„Krisen sind natürlich nie gleich – dennoch folgen sie ähnlichen Mechanismen. Deshalb legen wir einen Prozess zugrunde, der uns höchstmögliche Flexibilität und maximale Handlungssicherheit gestattet.“

Wann soll Krisenmanagement beginnen?

Ein Unternehmen muss bei den ersten Anzeichen mit dem Krisenmanagement beginnen und sich stetig den sich ändernden Randparametern anpassen.

 

Wie lässt sich eine Belegschaft sicher durch eine Krise führen?

Handlungsfähigkeit sicherstellen – Vertrauen schaffen! Das ist uns gelungen: Das Feedback unserer Stakeholder zu den eingeleiteten Maßnahmen und zur Kommunikation dazu ist ausgesprochen positiv und spornt uns für die weiteren Aufgaben während und nach der COVID-19-Pandemie an.

 

Wie gelingt es, alle für Krisenmaßnahmen zu sensibilisieren?

Regeln müssen klar und verständlich sein, damit sie eingehalten werden. Und jede Änderung muss erläutert werden. Ganz wichtig in kritischen Lagen ist, dass jede Führungskraft Verantwortung für den eigenen Bereich übernimmt und die Rolle als Führungskraft aktiv ausübt. Sie stellt den „Anker“ für das Team dar. Als Krisenstab unterstützen wir hierbei, indem wir Handlungshilfen für besondere Situationen erstellen, die Beschaffung und Verteilung von Persönlicher Schutzausrüstung zentral koordinieren, den Führungskräften fachliche Beratung für spezifische Situationen anbieten und Entscheidungen beziehungsweise Maßnahmen zielgruppengerecht kommunizieren. Führen heißt aber auch, Vorbild zu sein: Unsere Unternehmensleitung lebt die Prinzipien der Prävention in der Krise offen und transparent vor.

Porträt Oliver Polanz, SPIE
Bild: SPIE Deutschland & Zentraleuropa

Dr. Oliver Polanz


Leiter für Arbeits-, Gesundheits-, Umweltschutz und Qualitätsmanagement bei SPIE Deutschland und Zentraleuropa, einem führenden Multitechnikdienstleister für Gebäude, Anlagen und Infrastrukturen

Gibt es ein Beispiel, das sich auf die Baubranche übertragen lässt?

Wir haben beispielsweise für Teams, die auf Baustellen der Energieinfrastruktur wie Leitungs- und Schaltanlagenbau tätig sind, um die Energieversorgung sicherstellen, Abstandsregelungen eingeführt. Dazu gehören auch Regelungen für die gemeinsame Nutzung von Fahrzeugen, Sozial- und Sanitärcontainern, ebenso Handlungshilfen für Persönliche Schutzausrüstung, verstärkte Hygienemaßnahmen und Selbstauskünfte für Besucher und Geschäftspartner. Wo unsere Beschäftigten kritische Infrastrukturen, kurz KRITIS, beispielsweise Krankenhäuser, betreuen, haben wir den Einsatz angepasster persönlicher Schutzausrüstungen und Desinfektionsmaßnahmen vorgesehen. Für Tätigkeiten, bei denen infizierte Personen anwesend sind oder waren, haben wir die Prozesse so vorgedacht, dass wir den Schutz unserer Kolleginnen und Kollegen gewährleisten können. Für alle SPIE- Mitarbeitenden wurden Community-Masken beschafft.

 

Sind Sie auch im Austausch mit Berufsgenossenschaften?

Ja, das sind in Krisen wichtige Partnerschaften – gerade wenn es um ein so spezifisches Thema geht. Mit diesen Fachleuten stehen wir im Dialog und haben unsere Maßnahmen – wo immer möglich – fachlich abgeglichen. Der Best-Practise-Austausch auf Augenhöhe ist hier gelebte Praxis und wird hochgeschätzt.

 

Als promovierter Chemiker haben Sie sich unter anderem mit sehr agilen Molekülen beschäftigt. Hatten Sie sich vor der Ausbreitung des Coronavirus eine solche Dynamik vorstellen können?

Das ist ein sehr schöner Vergleich. Ich erinnere mich an einen Chemieunfall, den ich selbst hatte. Eine Reaktion ist „durchgegangen“ und ich wusste instinktiv, dass diese Reaktion nicht mehr zu stoppen war. Da hat auch das Zudrehen von Teflonhähnen nichts mehr geholfen, die Apparatur hat sich zerlegt und neben einigen wenigen Schnittverletzungen, die ich erlitten hatte, blieb nur, das aufwendige Labor von den zum Teil kritischen Chemikalien zu reinigen und aufzuräumen. Also ja, ich kann mir eine hochdynamische Lage gut vorstellen.

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