Sicher arbeiten

Die Mischung macht's

Epoxidharze überzeugen, weil sie vielseitig verwendbar sind und hervorragende Materialeigenschaften besitzen. Ihre Verarbeitung kann allerdings zu gesundheitlichen Problemen führen – im schlimmsten Fall sogar einen Berufswechsel erforderlich machen.

Stabile Bodenbeschichtungen, wasserdampfsperrende Grundierungen, Korrosionsschutz, Fugenfüllungen und Klebstoffe – in Industrie und Handwerk greift man dafür auf Epoxidharze zurück. Sie haben jedoch einen Haken: Abhängig von den Ausgangsstoffen können Epoxidharze eine Vielzahl an allergieauslösenden Stoffen enthalten. Der Endnutzer merkt davon nichts. Das Problem liegt in der Verarbeitung: Epoxidharze sind einer der häufigsten Auslöser berufsbedingter allergischer Hauterkrankungen in der Bauwirtschaft.

 

Grafik aus BG BAU aktuell 3_2020 Berufserkrankungen durch Epoxidharze nach Branchen
Bild: Florian Perez - xmedias GmbH

Mischvorgang ist der Knackpunkt

Epoxidharze bestehen meist aus zwei Komponenten: einem synthetischen Harz und einem Härter. Vermischt sorgen sie für die vorteilhaften Materialeigenschaften. Kommt es beim Anmischen oder der Verarbeitung jedoch zu ungeschütztem Kontakt mit den Einzelkomponenten oder dem Gemisch, drohen Gesundheitsschäden. Zuerst bilden sich Rötungen auf der Haut, die Härter verursachen zudem Verätzungen. Besteht eine Allergie, führt jeder weitere Kontakt zu einer allergischen Reaktion in Gestalt von Ekzemen. Bei einigen Betroffenen tritt die Allergie danach bereits dann auf, wenn sie auf in der Luft gelöste Bestandteile von Epoxidharzen treffen. Sie können nicht mehr mit diesen Stoffen arbeiten und müssen in der Regel den Beruf wechseln.

Alternativen kaum vorhanden

Der Verzicht auf Epoxidharze ist keine Lösung – sie sind aufgrund ihrer Materialeigenschaften kaum zu ersetzen. Der risikoarme Auftrag mit Maschinen kommt nur bei großen Flächen infrage und ist in der Praxis selten. Epoxidharze werden weitgehend von Hand verarbeitet. Daher müssen die Beschäftigten im Umgang mit den Kompositwerkstoffen unterwiesen sein und die Gesundheitsgefahren kennen.
Voraussetzung dafür ist die Gefährdungsbeurteilung, aus der sich geeignete Schutzmaßnahmen ableiten lassen. Diese werden in einer Betriebsanweisung dokumentiert, die wiederum zur Unterweisung der Beschäftigten für die Arbeit mit Epoxidharzen dient. Forschungsstudien zufolge waren Beschäftigte, die umfangreich unterwiesen worden waren, deutlich seltener von Hauterkrankungen betroffen als Beschäftigte mit keiner oder unzureichender Unterweisung.

Verarbeitung von Epoxidharzen
Bild: Karsten Rabas/MC Bauchemie

Verbesserte Kennzeichnung

Fachleute der BG BAU arbeiten gemeinsam mit Vertreterinnen und Vertretern von Herstellern und Anwendern sowie aus Behörden und der Medizin daran, den Umgang mit Epoxidharzen sicherer zu machen. Die auf dem Markt erhältlichen Gemische unterscheiden sich in ihrer allergenen Wirkung teils deutlich. Informationen darüber sind nun auf der Produktkennzeichnung, dem GISCODE, und in WINGIS, dem Gefahrstoffinformationssystem der BG BAU, zu finden. Dort ist für jedes Produkt der passende Entwurf für die Betriebsanweisung hinterlegt – und in jeweils 16 verschiedenen Sprachen abrufbar [SIM].

Mehr zum Umgang mit Epoxidharzen:

www.bgbau.de/themen/epoxidharze

WINGIS, das Gefahrstoffinformationssystem der BG BAU:

www.wingis.de

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