Arbeitswelt im Wandel

Digi wie?

Vertreter des Fachverbands der Stuckateure für Ausbau und Fassade Baden-Württemberg zum den Stand der Digitalisierung in ihrem Gewerk und wie digitale Hilfsmittel den Arbeitsschutz verbessern können.

Kürzlich erschien das Digitalisierungsbarometer – eine Studie, die den Stand der Digitalisierung im Handwerk beschreibt. Im Interview erläutern Thomas Arnold und Dr. Roland Falk vom Fachverband der Stuckateure für Ausbau und Fassade Baden-Württemberg den Stand in ihrem Gewerk und wie digitale Hilfsmittel den Arbeitsschutz verbessern können.

Thomas Arnold,
Hauptgeschäftsführer, Fachverband
der Stuckateure für Ausbau und Fassade
Baden-Württemberg
Bild: Fachverband der Stuckateure für Ausbau und Fassade

THOMAS ARNOLD

Hauptgeschäftsführer
Fachverband der Stuckateure für Ausbau und Fassade
Baden-Württemberg
 

Dr. Roland Falk,
Leiter Innovation und Entwicklung,
Kompetenzzentrum für
Ausbau und Fassade
Bild: Fachverband der Stuckateure für Ausbau und Fassade

DR. ROLAND FALK

Leiter Innovation und Entwicklung
Kompetenzzentrum für Ausbau und Fassade
 

Herr Arnold, Herr Dr. Falk, Sie vertreten den Stuckateur- und Malerbereich. Wie steht es da um die Digitalisierung?

Arnold: Im Gewerk Stuckateur und Maler rangieren wir eher in den hinteren Reihen. Wir haben viele kleinere Betriebe, die in Sachen Digitalisierung noch nicht so weit sind. Außerdem spielt das Alter der Chefs und der Belegschaft eine Rolle. Viele Ältere können sich mit dem Thema nicht anfreunden, nach dem Motto: Was soll ich denn mit einem Tablet? Damit kann ich doch keine Wand verputzen!
 

Welchen Beitrag kann die Digitalisierung für den Arbeitsschutz leisten?

Arnold: Die richtige Software kann dabei unterstützen, die Kosten für Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz von Beginn an zu berücksichtigen. Will ich zum Beispiel ein bestimmtes Gerüst einsetzen, brauche ich eine bestimmte Abstandssicherung, hier noch einen speziellen Seitenschutz und so fort. Was nicht kalkuliert wurde, kann später nur schwer ausgeführt werden oder plötzlich richtig viel Geld kosten.
 

Können Sie weitere Beispiele nennen?

Dr. Falk: Die Digitalisierung kann bei der Handhabung von Geräten unterstützen. Assistenzinformationssysteme geben zum Beispiel an, wie eine Putzmaschine eingestellt und bedient wird. Da sind Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz direkt in die Anwendung integriert. Des Weiteren können digitale Tools für die Arbeitsmittelprüfung eingesetzt werden. Jedes Gerät muss mindestens einmal im Jahr überprüft werden – was häufig vergessen wird. Eine Software kann zum Beispiel über eine Kalenderfunktion angeben, wann die Prüfung einer Maschine fällig wird. Jeder kleine Schritt ist kombinierbar mit dem Arbeitsschutz.

Arnold: Insgesamt dürfen Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz nicht isoliert betrachtet werden, sondern müssen in den normalen Arbeitsprozess integriert sein. Dazu kann die Digitalisierung beitragen. Zum Beispiel, wenn Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz in die verschiedenen Branchenprogramme direkt einfließen.
 

Herr Falk, Sie leiten das Projekt „Digital unterstützter Gesundheits- und Arbeitsschutz im Arbeitsprozess Bau (DigiGAAB)“, das vom Kompetenzzentrum für Ausbau und Fassade zusammen mit der BG BAU entwickelt wurde. Worum geht es dort?

Dr. Falk: Ein Stuckateur ist kein Informatiker, er ist ein Handwerker. Um Berührungsängste abzubauen, muss man den Handwerker dort abholen, wo er steht. Kleine und mittlere Betriebe des Ausbauhandwerks werden im Projekt beraten, wie sie digitale Technologien nutzen können, um Arbeitsabläufe sicher und effizient zu gestalten. Zugleich ermöglichen Experimentierräume, dass die Beschäftigten die Software anhand von Praxissimulationen testen können. Dadurch halten wir die Hürde, sich mit der Digitalisierung zu beschäftigen, so klein wie möglich. Und Betriebe reduzieren das Risiko, sich für die falsche Software zu entscheiden. Wer nicht weiß, womit er anfangen soll, kann sich von uns beraten lassen.

Arnold: Dadurch gewinnen Betriebe nicht nur passgenaue Anwendungen, sondern können auch sichergehen, dass Arbeitssicherheit und Gesundheitsschutz bereits in den Programmen integriert sind. Kurz: Im Projekt übernehmen wir eine Lotsenfunktion durch die Softwareangebote für die Betriebe. Zwar sitzen wir in Baden-Württemberg, aber wir sind für alle Gewerke bundesweit offen, denn unser Kompetenzzentrum hat überregionale Aufgaben.

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