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Sicher arbeiten

Ausgeleitert - Leitern, ein Auslaufmodell

Wie und wofür Leitern verwendet werden dürfen, regelt die DGUV Vorschrift 38. Statt Leitern gibt es viele Alternativen, die mehr Sicherheit bei der Arbeit bieten. Einige werden von der BG BAU mit einer Arbeitsschutzprämie gefördert.

Leitern gehören zu den ältesten Baugeräten der Menschheitsgeschichte. Ohne sie wäre die Errichtung der ägyptischen Pyramiden kaum denkbar gewesen. Heute, im Zeitalter der Digitalisierung, in der Leitern vor allem die Unfallstatistiken der Baubranche hochgehen lassen, läuft ihre Zeit als Verkehrsweg und Arbeitsplatz nach und nach ab.
 

Regeln für den Einsatz von Leitern

Grundsätzlich ist zu unterscheiden, ob eine Leiter als Arbeitsplatz oder Verkehrsweg verwendet werden soll. Dann kommt es auf die Höhe und auf die Dauer der Nutzung an. Mit ganz wenigen Ausnahmen lautet das Motto für Leitern: „Stufe statt Sprosse“. Trittflächen ab einer Tiefe von acht Zentimeter sind nachweislich sicherer und senken die körperlichen Belastungen für die Beschäftigten erheblich.

Grafik Leitern
Diese Eckdaten gelten bei der Benutzung von Leitern.
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DAS AKTUELLE REGELWERK FÜR LEITERN

Die vielen Unfälle führten zu einer Überarbeitung des Regelwerks: zu­nächst Ende 2018, als die Technischen Regeln für Betriebssicherheit „Gefährdung von Beschäftigten durch Absturz“ (TRBS 2121 – Teil 2) angepasst und neue Vorgaben für Leitern aufgestellt wurden. Die im April 2020 in Kraft gesetzte, überar­beitete Fassung der DGUV Vorschrift 38 „UVV Bauarbeiten“ übernahm diese Vorgaben, die dazugehörige DGUV Regel 101­-038 beinhaltet ihre praxisgerechte Auslegung.

Wenn es eine Leiter sein muss …,

dann eine von diesen:

  • Bei Putz- und Malerarbeiten ist die Stehleiter weiterhin beliebt. Sie darf heute aber nur noch verwendet werden, wenn sie über minimal acht Zentimeter tiefe Stufen verfügt. Empfehlenswert sind Modelle mit einer Spreizsicherung, die das ungewollte Einklappen der Leiterbeine verhindert. Bei kleinen Höhen bieten sich Tritte als Alternative an, oder man greift am besten gleich zu Plattform- und Podestleitern.

    Werden Anlegeleitern ausnahmslos als Verkehrsweg genutzt, darf man weiterhin noch Sprossenleitern verwenden. Doch wer bringt schon eine Leiter auf den Bau, auf der man nicht arbeiten darf? Lieber gleich zur leichten Plattformleiter oder Stufen-Schiebeleiter greifen. Die sind weitaus sicherer, flexibler, weil in der Höhe erweiterbar, und werden mit einer Arbeitsschutzprämie von der BG BAU gefördert.

  • Die Stufen-Glasreinigerleitern machen das Reinigen von senkrechten Glasfassaden einfacher und sicherer. Bei kleinen Höhen bieten sich Tritte an. Wenn nötig, sollten Beschäftigte am besten immer auf Plattform- oder Podestleitern arbeiten. Sie sind schlicht erheblich sicherer als Stufenstehleitern.

    Kleine Ursache, große Wirkung: Im Zuge von Reinigungsarbeiten, bei denen Feuchtigkeit oder Flüssigketen im Spiel sind, rutschen viele Beschäftigte von den Trittflächen der Leitern ab. Fersenbeinbrüche sind häufig die Folge – eine Verletzung, die nur langsam und schließlich nie wieder vollends verheilt. Darum sollte beim Leiterkauf die Rutschhemmung der Trittbeläge ein Kriterium sein. Dafür hat sich die Skala der R-Klassen etabliert – bei Leitern sind die R-Klassen 12 und 13 zu empfehlen.

  • Die Lösung der Zukunft könnte mobile Verbauleiter heißen. Zwar bieten Bau- und Gerüsttreppen als Zugänge zu verbauten Gruben und Gräben mehr Sicherheit und Komfort als Leitern, oft ist ihr Einsatz jedoch durch bauliche Gegebenheiten limitiert. Sind mehr als fünf Meter zu überwinden, kommen auch Anlegeleitern nicht mehr als Verkehrsweg infrage. Für solche Bedingungen haben Berufspraktiker mit Unterstützung durch die BG BAU die mobile Verbauleiter entwickelt. Ähnlich einer Steigleiter besitzt sie Podeste an Ein- und Ausstieg in Form von Gitterrosten und ist auf ganzer Länge bis zur Grubensohle mit einem Rückenschutz versehen. Rutschhemmende Trittbeläge und eine Sicherung am Leiterkopf sind weitere Sicherheitskomponenten. Je nach Höhenunterschied lässt sich die Verbauleiter abschnittsweise erweitern. Für Gruben mit Spundwänden wurde eine darauf abgestimmte Variante entwickelt. Mit beiden Leitertypen gelangen Beschäftigte gut gesichert an ihre Arbeitsplätze und auch wieder zurück.

    Vergleichsweise geringe Höhen bis zu etwa einem Meter werden gern unorthodox per Sprung überwunden. Fersenbeinbrüche mit langen Ausfallzeiten und oft bleibenden Schäden sind eine häufige Folge. Mit der modularen Grubenleiter steht eine sichere Alternative vor der Markteinführung, die den anspruchsvollen Bedingungen auf Baustellen gerecht wird.

Sind Leitern als Arbeitsmittel ...

  • Für viele Tätigkeiten gibt es Alternativen zu Leitern, die sicherer sind: Hubarbeitsbühnen und fahrbare Arbeitsbühnen oder Gerüste sind an gut zugänglichen Arbeitsplätzen immer Leitern vorzuziehen. Die BG BAU unterstützt die Anschaffung von Hubarbeitsbühnen mit einer Arbeitsschutzprämie. Sie bieten einen sicheren Stand und sind gegen Absturz nach allen Seiten hin gesichert. Material und tragbare Werkzeuge lassen sich griffbereit abstellen und sind schnell zur Hand. Dachflächen und andere hochgelegene Arbeitsplätze, die nur über Leitern erreichbar sind, müssen zur Inspektion oder Vermessung nicht zwangsläufig begangen werden. Diese Aufgaben können heutzutage von Drohnen übernommen werden. Der Einsatz dieser fliegenden Helfer erfordert zwar etwas Vorbereitung und Organisation, bietet mittelfristig aber große Vorteile in Sachen Wirtschaftlichkeit und Sicherheit.

  • Dachflächen und andere hochgelegene Arbeitsplätze, die nur über Leitern erreichbar sind, müssen zur Inspektion oder Auftragsschätzung nicht zwangsläufig begangen werden. Diese Aufgaben können heutzutage von Drohnen übernommen werden. Der Einsatz dieser fliegenden Helfer erfordert zwar etwas Vorbereitung und Organisation, bietet mittelfristig aber große Vorteile in Sachen Wirtschaftlichkeit und Sicherheit. Wenn es die örtlichen Verhältnisse erlauben, können solche Flächen dann von Hubarbeitsbühnen oder Gerüsten aus gewartet oder gereinigt werden. Stangensysteme mit Teleskop-Funktion erhöhen die Reichweite der Beschäftigten zusätzlich um ein Vielfaches. Kombiniert mit Tragehilfen reduziert sich auch die körperliche Belastung. Mit solcher Ausrüstung lassen sich selbst Bereiche reinigen, die ansonsten nur über Leitern erreichbar wären.

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